Fiete vom Kiez berichtet

SAISONSTART 2026-2

10.10., Samstag - EL-Quali Hinspiele / Rückspiele am Mittwoch
12.10., Montag - Nationale Supercups
18.10., Sonntag - 1. Spieltag alle Ligen

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Stichtag: 13.10., Dienstag
SAISONSTART AM SONNTAG

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  • Ausgabe #01 - August 2026

    Die Freibeuter sind zurück

    Aufstieg. Bundesliga. Neo. Alles auf einmal. Der FC St. Pauli gönnt sich keine Verschnaufpause und holt direkt einen der bekanntesten Manager der Szene an das Millerntor. Bescheidenheit war noch nie so eine Sache am Kiez.

    Die Aufgabe klingt dabei auf dem Papier herrlich überschaubar. Klassenerhalt, finanzielle Unabhängigkeit, begrenztes Budget. Neo kennt Erfolg, Titel und große Kader. Jetzt kennt er auch Google Sheets mit Sparmaßnahmen. Willkommen in der echten Welt.

    Ein Statement gab es auch: „Ich bin froh, wieder in der Bundesliga zu sein. Meine Zeit bei den Fohlen war unvergesslich. Die Aufgabe bei Pauli ist definitiv anspruchsvoller, aber wir werden das Schiff schon über Wasser halten." Das Schiff über Wasser halten. Neo, der Kapitän. Am Millerntor. Das schreibt sich fast von selbst.

    Erste Amtshandlung erledigt. Die Vertragsverhandlungen nach dem Aufstieg sind abgeschlossen und Neo hat dabei ordentlich gespart. Für einen Verein mit überschaubarem Budget kein schlechter Start. Wie es weitergeht? Wir wissen es nicht. Neo vermutlich auch noch nicht so genau. Aber genau das macht es ja interessant.
  • Ausgabe #02 - August 2026

    Willkommen im Chaos, Neo

    Es war ein ruhiger Mittwochmorgen am Millerntor. Irgendwo schrie eine Möwe. Ein Praktikant trank seinen dritten Kaffee. Und dann öffnete Neo sein Postfach... Fehler!

    Denn was ihn dort erwartete, war kein freundliches Willkommenspaket. Kein Blumenstrauß vom Vorstand. Kein „Schön dass du da bist, hier sind deine Zugangsdaten." Nein. Es war Rocco Reitz. Nicht persönlich, aber gefühlt schon. Sein Name tauchte in so vielen Anfragen auf, dass Neo kurz überlegte, ob Reitz heimlich selbst die Mails verschickt hat.

    Parallel dazu, und das ist das eigentlich Lustige an der Sache, arbeitet Neo gerade an einer Liste. Einer ganz besonderen Liste. Keine Einkaufsliste, keine Wunschliste. Eine Abschiedsliste. Spieler, die den Verein verlassen werden. Ohne Transfererlös, ohne große Dramaturgie. Einfach Tschüss, war schön mit euch, die Tür kennt ihr.

    Verkaufen? Zu aufwendig. Kadergrenze drückt? Definitiv. Budget vorhanden? Komische Frage.

    Neo, der Mann der bei Manchester City mit Millionen jongliert, sortiert jetzt Verträge aus wie ein Mensch der vor dem Urlaub den Kühlschrank leert. Weg damit, weg damit, das auch noch weg.

    Und irgendwo im Hintergrund schreit immer noch diese Möwe.
  • Ausgabe #03 - August 2026

    Fiete vom Kiez berichtet: Der Neue räumt auf

    Moin. Fiete hier. Ich sitz grad in der Kneipe, dritter Kaffee, draußen nieselt es. Typisch Kiez, typisch Hamburg, typisch alles.

    Nun, ich hab ja gehört, dass der Neue, ihr wisst schon, der Typ von Manchester, erstmal ordentlich den Besen rausgeholt hat. Drei Spieler sollen weg. Ohne Ablöse, ohne großes Tam Tam. Einfach tschüss, Jungs, war nett.

    Mein Kumpel Holger, der macht irgendwas mit Wäsche beim Verein, der hat mir gesteckt, dass das Postfach von dem Neuen kaum noch zu bremsen ist. Jeden Tag neue Anfragen. Und wisst ihr für wen? Rocco Reitz. Immer wieder Rocco Reitz. Ich kenn den Jungen nicht persönlich, aber langsam frag ich mich ob er die Mails selbst schreibt.

    Ich versteh das ja nicht ganz, dieser Transferwahnsinn. Früher hat man Spieler einfach vom Nachbarverein geklaut und gut war. Heute gibt es Listen, Verhandlungen, Postfächer.

    Aber gut. Der Neue wirkt als ob er weiß was er tut. Hoffentlich. Die Möwe vor dem Millerntor schaut jedenfalls skeptisch.

    Fiete, aus.
  • Ausgabe #04 - August 2026

    Fiete vom Kiez berichtet:
    Och, so schlimm ist das gar nicht

    Moin. Fiete hier, mit einem leichten Lächeln, was für mich schon fast Euphorie ist.

    Die ersten Testspiele sind durch und ich muss sagen, ich hab ehrlich gesagt Schlimmeres erwartet. Hoffenheim weggehauen mit 3:2, Alaves zweimal, einmal 2:0 und einmal 1:1. Kein Weltklasse Ergebnis, aber auch kein Grund den Keller aufzusuchen.

    Holger, ihr wisst schon, der mit der Wäsche, der meinte die Stimmung im Training sei gut. Wobei Holger das auch nach einer 0:5 Niederlage sagen würde, der ist einfach so ein Typ.

    Der Neue scheint jedenfalls zu wissen was er tut. Zumindest ein bisschen. Die Mannschaft steht, irgendwie. Läuft noch nicht rund, aber sie läuft. Das ist für St. Pauli in der Bundesliga schonmal mehr als ich erwartet hatte, und ich erwarte grundsätzlich wenig, das hält den Blutdruck niedrig.

    Mein Nachbar Jürgen sagt, wir steigen nach drei Spieltagen ab. Jürgen war noch nie im Stadion. Jürgen zählt nicht. Ich bleib vorsichtig optimistisch. Betonung auf vorsichtig.

    Fiete, aus.
  • -Neo

    Hat den Titel des Themas von „Freibeuter - St. Pauli News“ zu „Fiete vom Kiez berichtet“ geändert.
  • Ausgabe #05 - August 2026

    Fiete vom Kiez berichtet:
    Der Neue hat einen Plan. Glaube ich.

    Moin. Fiete hier, ich versuch grad etwas zu verstehen und das dauert bei mir manchmal etwas länger.

    Also. Der Neue lässt in einem 4-3-3 spielen. Ich hab das gegoogelt. Dann hab ich es nochmal gegoogelt. Dann hab ich Holger angerufen, der mit der Wäsche. Der hat es mir erklärt. Ich glaub ich hab es jetzt verstanden. Vielleicht.

    Und wisst ihr was? Es funktioniert. Alaves haben wir gleich zweimal verprügelt, 2:0 und 2:1. Die Spanier kennen uns mittlerweile besser als unsere eigenen Fans. Trotzdem gewonnen, zweimal. Das 4-3-3 scheint also kein kompletter Unsinn zu sein, auch wenn Klaus vom Stammtisch immer noch nickt ohne zu verstehen. Klaus nickt immer. Bei allem.

    Und genau da fängt es an Sinn zu ergeben. Der Neue weiß was er will. Nicht nur taktisch. Auch beim Thema Rocco Reitz. Die Anfragen werden weniger, weil Neo eine klare Linie hat. Bestimmte Ablöse, bestimmtes Tauschmaterial, sonst keine Unterhaltung. Kein Verhandeln, kein Betteln, kein Nachlass.

    Ein System auf dem Platz, eine Linie neben dem Platz. Vielleicht hat der Neue doch einen Plan. Ich bleib skeptisch. Aber Holger sagt, das ist gut so.

    Fiete, aus.
  • Ausgabe #06 - August 2026

    Fiete vom Kiez berichtet:
    Der Neue denkt schon an die Zukunft.
    Wir noch nicht mal an die Gegenwart.

    Moin. Fiete hier, heute mit einer Neuigkeit die mich ehrlich gesagt überrascht hat. Positiv. Das passiert selten.

    Der Neue hat ein Reserveteam beim Verband angemeldet. Als frischer Aufsteiger. Einfach so. Ich hab kurz geschluckt als ich das gehört hab. Wir sind gerade in die Bundesliga aufgestiegen, haben ein Budget das ich lieber nicht laut ausspreche und der Neue denkt bereits zwei Schritte weiter. Respekt. Großer Respekt diesmal, nicht der kleine.

    Das Schlaue daran, viele Spieler für dieses Reserveteam sind bereits im Kader vorhanden. Man musste also nicht mit dem leeren Portemonnaie wedeln. Lediglich zwei Torhüter mit Profiverträgen mussten her. Niklas Petzsch und Issa Dapo heißen die beiden. Kannte ich vorher nicht. Holger auch nicht. Klaus vom Stammtisch behauptet er schon, aber Klaus behauptet viel.

    Und dann noch das Sahnehäubchen obendrauf. Ein 16 jähriges Juwel namens Atakan Zepeta kommt dazu. Sechzehn Jahre. Ich war mit sechzehn noch nicht mal in der Lage pünktlich zum Training zu erscheinen.

    Der Neue baut also nicht nur für heute. Er baut für morgen. Übermorgen sogar.

    Fiete, aus.
  • Ausgabe #07 - August 2026

    Fiete vom Kiez berichtet:
    Der Neue will einkaufen. Der Markt will das nicht so.

    Moin. Fiete hier, heute mit gemischten Gefühlen, was bei mir eigentlich der Normalzustand ist.

    Also. Holger hat geflüstert, dass der Neue bereits zwei Spieler im Visier hat. Mit den Jungs selbst ist man sich angeblich schon einig. Prima. Wunderbar. Könnte so einfach sein. Ist es aber nicht, weil der Verein natürlich noch quer schießt bei der Ablöse. Typisch. Die Spieler wollen, Neo will, alle wollen, nur der andere Verein will nicht so richtig. Das Fußballgeschäft in seiner schönsten Form.

    Und dann war da noch die Sache mit Gabriel Suazo. Neo hatte wohl Interesse, ich auch, klingt gut der Name. Aber dann fing das Wettbieten an und der Preis schoss durch die Decke. Direkt durch die Decke. Dach weg, Sterne sichtbar, Budget weinend in der Ecke. Da hat Neo die Bremse gezogen, was ich ihm nicht verdenken kann. Wir sind St. Pauli, kein Scheichverein.

    Und als ob das nicht genug wäre, liegt nun angeblich ein Scoutbericht zu Issa Kabore auf Neos Schreibtisch. Ob da ein Angebot folgt? Keine Ahnung. Holger weiß es auch nicht. Klaus vom Stammtisch sagt ja, aber Klaus sagt immer ja.

    Wir warten. Der Markt zickt. Fiete beobachtet.

    Fiete, aus.
  • Ausgabe #08 - August 2026

    Fiete vom Kiez berichtet:
    Neo. Was hast du getan.

    Moin. Fiete hier, ich hab die Nachricht gelesen, dann nochmal gelesen, dann Holger angerufen ob ich noch richtig lese. Ich lese noch richtig.

    Wojciech Szczesny. Ehemaliger polnischer Nationalkeeper. Champions League. Juventus. Barcelona. Der Typ hat mehr Titel als wir Stammtischkumpels zusammen Biere getrunken haben. Und das will was heißen.

    Neo holt ihn zum FC St. Pauli. Für vier Millionen Ablöse.

    Ich wiederhole. Vier Millionen. St. Pauli. Dasselbe St. Pauli das neulich noch Verträge aufgelöst hat weil das Portemonnaie drückte. Dasselbe St. Pauli dessen Budget ich auf einer Serviette aufschreiben könnte. Mit Platz für eine Einkaufsliste daneben.

    Szczesny ist 36 Jahre alt. Aber das ist bei einem Torwart ungefähr so relevant wie das Alter einer guten Flasche Rum. Reift mit den Jahren, solange er noch stehen kann.

    Ich versteh es nicht. Holger versteht es nicht. Klaus nickt, aber Klaus nickt immer. Irgendwie macht Neo genau das was keiner erwartet. Und irgendwie funktioniert es meistens.

    Die Möwe vor dem Millerntor jedenfalls hat heute zweimal geschaut. Einmal ungläubig. Einmal anerkennend. Ich auch, Möwe. Ich auch.

    Fiete, aus.
  • Ausgabe #09 - August 2026

    Fiete vom Kiez berichtet:
    Rocco ist weg. Ich brauch einen Moment.

    Moin. Fiete hier, heute mit schwerem Herzen und noch schwereren Fragen.

    Neo hat Rocco Reitz abgegeben. Den Denker. Den Lenker. Den Mann der die Bälle verteilt wie Fische auf dem Hamburger Fischmarkt. Frisch, präzise, immer an der richtigen Stelle. Für einen Aufsteiger ist das zentrale Mittelfeld ungefähr so wichtig wie das Fundament eines Hauses. Und Neo hat gerade einen tragenden Balken rausgezogen.

    Ich hab Holger angerufen. Holger war auch kurz sprachlos. Das passiert selten.

    Ja, es ist ein Tauschtransfer. Ja, es kommt etwas zurück. Aber kein direkter Ersatz für das zentrale Mittelfeld. Stattdessen schaut man nun in die zweite Reihe, wo Jackson Irvine wartet. Irvine, 33 Jahre, erfahren, zuverlässig. Aber mit der Lunge eines 33 jährigen, nicht der eines 20 jährigen. Das merkt man spätestens in der Rückrunde wenn die Beine schwer werden und die Punkte knapp.

    Und was kommt nun für Rocco? Ich hab kurz gehofft. Kurz geträumt. Vielleicht ein junger Sechser, dynamisch, hungrig, günstig weil Fiete weiß wie das hier läuft. Stattdessen. Ein Keeper. Moritz Nicolas. Ich hab dreimal geblinzelt.

    Wir haben gerade Szczesny für vier Millionen geholt. Vier Millionen. Und jetzt kommt der nächste Keeper durch die Tür. Neo sammelt Torhüter wie Klaus vom Stammtisch Ausreden sammelt warum er nie eine Runde schmeißt. Reichhaltige Sammlung, beide.

    Aber gut. Vielleicht weiß Neo was wir nicht wissen. Vielleicht hat er einen Plan den Fiete noch nicht versteht.

    Denn dann kam noch Jan-Niklas Beste. Rechtsaußen, technisch stark und plötzlich sieht der Sturm richtig gut aus. Knauf, Kleindienst, Beste. Das klingt nach Bundesliga, nicht nach Abstiegskampf. Also vielleicht doch ein Plan. Ein verwirrender, torhüterlastiger, irgendwie funktionierender Plan.

    Typisch Neo.

    Fiete, aus.
  • Ausgabe #10 - August 2026

    Fiete vom Kiez berichtet:
    Neo macht Deadline Day. Alleine. Ohne uns zu fragen.

    Moin. Fiete hier, ich saß ganz normal an meinem Stammtisch, dritter Kaffee, Klaus nickte vor sich hin, alles wie immer. Dann fing das Telefon an zu klingeln. Holger. Aufgeregt. Das passiert noch seltener als sein Schweigen.

    Neo hat mal eben seinen eigenen Deadline Day veranstaltet. Einfach so. Ohne Vorwarnung. Ohne Rücksicht auf meinen Blutdruck.

    Fangen wir mit Jacques Ekomie an. 23 Jahre, Gabuner, kommt als neuer Linksverteidiger. Noch etwas grün hinter den Ohren, aber mit Potenzial das man sehen kann. Soweit so gut. Soweit so vernünftig. Und dann die Ablöse. Stade Reims wollte zwanzig Millionen. Zwanzig. Ich hab kurz an mein Sparschwein gedacht. Dann hab ich aufgehört zu denken weil es wehtat.

    Aber dann kam der entscheidende Satz den ich mir selbst gesagt hab. Was nutzt die Kohle, wenn wir wieder absteigen? Genau. Nichts. Also, Ekomie willkommen am Millerntor. Mach was draus, Junge.

    Und weil Neo scheinbar dachte, einmal ist keinmal, kam direkt der nächste. Ebenfalls von Stade Reims, die müssen uns mittlerweile lieben dort in Frankreich. Ismael Bennacer. Der Algerier soll das Mittelfeld beackern und den Rocco Reitz Abgang vergessen machen. Zehn Millionen Ablöse, deutlich magenfreundlicher als Ekomie, aber trotzdem kein Pappenstiel für St. Pauli Verhältnisse.

    Dreißig Millionen an einem Tag. Stade Reims reibt sich die Hände. Holger schwitzt. Klaus nickt.

    Und ich? Ich bestell mir noch einen Kaffee und vertrau darauf dass Neo weiß was er tut. Meistens tut er das ja.

    Fiete, aus.
  • Ausgabe #01 - September 2026

    Fiete vom Kiez berichtet:
    Moritz Nicolas. Schon wieder weg. Fast noch warm die Kaffeetasse.

    Moin. Fiete hier, ich versuch grad zu verstehen was da passiert ist und ich komm nicht weit.

    Also. Neo holt Moritz Nicolas. Alle denken, Nummer Eins Kampf, Szczesny muss sich warm anziehen, wird spannend. Ich freu mich schon, Klaus nickt aufgeregt, Holger reibt sich die Hände.

    Und dann.

    Nicolas ist weg. Nach Italien. Auf Leihbasis. Für die halbe Saison. Pescara Delfino hat die zwei Millionen Leihgebühr hingeblättert ohne auch nur zweimal zu blinzeln und schon sitzt Moritz im Flieger Richtung Adria.

    Die Kaffeetasse auf Neos Schreibtisch war noch warm.

    Ich frag mich ernsthaft was da los war. Hat Neo Nicolas geholt nur um ihn direkt wieder loszuwerden? Hat Nicolas das Millerntor gesehen und leise geweint? Hat Szczesny ein ernstes Gespräch mit jemandem geführt? Wir wissen es nicht. Holger weiß es nicht. Klaus nickt, aber Klaus weiß gar nichts.

    Fakt ist, der Pole wird die Nummer Eins. Szczesny, 36 Jahre, vier Millionen Ablöse, alleiniger Herrscher im Tor des FC St. Pauli. Das ist entweder ein genialer Plan oder ein mutiges Experiment.

    Bei Neo weiß man das leider erst hinterher. Ich halt die Daumen. Die Möwe schaut skeptisch. Wie immer.

    Fiete, aus.
  • Ausgabe #02 - September 2026

    Fiete vom Kiez berichtet:
    Das Millerntor wächst. Ich auch fast. Vor Stolz.

    Moin. Fiete hier, heute mit Neuigkeiten die mich ehrlich gesagt fast vom Stuhl gehauen haben. Fast. Der Stuhl hier ist sehr stabil.

    Das Millerntor wird ausgebaut. Zwanzigtausend neue Plätze. Fünfzigtausend Zuschauer insgesamt. Ich hab das dreimal gelesen, dann Holger angerufen, der hat es bestätigt, dann hab ich kurz aus dem Fenster geschaut ob Hamburg noch so aussieht wie immer. Tut es. Aber irgendwie anders. Größer irgendwie.

    Drei Vereine überholen wir damit in der Stadionrangliste. Nicht mehr letzter. Nicht mehr kleinster. Irgendwo im zweistelligen Bereich, aber mit Würde. Wäre natürlich genial wenn wir das am Ende auch über unseren Tabellenplatz sagen könnten, aber eins nach dem anderen. Erstmal das Stadion.

    Und jetzt die Frage die mir seit heute Morgen keine Ruhe lässt. Woher kommt das Geld? Fünfunddreißig Millionen soll das Projekt kosten. Fünfunddreißig Millionen. Wir haben gerade dreißig Millionen in zwei Tagen für Transfers ausgegeben und ich hab schon geschwitzt dabei.

    Man munkelt etwas von Crowdfunding. Crowdfunding! Ich liebe den Kiez, ich liebe St. Pauli, aber fünfunddreißig Millionen zusammenkratzen während Klaus vom Stammtisch noch nie eine Runde geschmissen hat? Schwierig. Also entweder hat ein Scheich mal kurz ins Portemonnaie geschaut und Spielgeld verteilt. Oder Neo kennt jemanden der jemanden kennt. Oder Holger weiß mehr als er sagt, was ich langsam nicht mehr ausschließen kann.

    Die Möwe vor dem Millerntor schaut heute jedenfalls so aus als würde sie das neue Stadion schon inspizieren.

    Fünfzigtausend Plätze. St. Pauli. Das klingt noch komisch. Aber irgendwie gut komisch.

    Fiete, aus.
  • Ausgabe #03 - September 2026

    Fiete vom Kiez berichtet:
    Kadercheck Teil 1.
    Die Keeper. Neo, was läuft hier eigentlich?

    Moin. Fiete hier, heute fangen wir mal an, den Kader systematisch unter die Lupe zu nehmen. Holger hat mir eine Liste rausgeschoben, ich hab Kaffee, Klaus nickt bereits vorsorglich. Fangen wir mit den Torhütern an, weil da gibt es einiges zu sagen.

    Wojciech Szczesny, 36 Jahre. Braucht keine Vorstellung. Juventus, Barcelona, Polen. Vier Millionen Ablöse. Immer noch die Nummer Eins. Ich hab mich damit abgefunden. Fast.

    Drei Vereine überholen wir damit in der Stadionrangliste. Nicht mehr letzter. Nicht mehr kleinster. Irgendwo im zweistelligen Bereich, aber mit Würde. Wäre natürlich genial wenn wir das am Ende auch über unseren Tabellenplatz sagen könnten, aber eins nach dem anderen. Erstmal das Stadion.

    Nikola Vasilj. Der alte Bekannte am Millerntor, war schon vor Neo da. Solide, zuverlässig, kennt den Verein. Sowas ist Gold wert wenn ringsum alles neu ist.

    Dimitar Mitov, 29 Jahre. Bulgare, kommt aus Schottland von Aberdeen. 1,93 Meter, gute Reflexe, strahlt Ruhe aus sagt man. Zwölf Jahre auf der Insel, jetzt Bundesliga. Ob das ein Schritt nach oben oder zur Seite ist, wird sich zeigen. Holger meint, der ist besser als er aussieht. Holger sagt das über jeden.

    Ben Voll, 25 Jahre. Deutscher, kommt aus der Dritten Liga, Viktoria Köln. Fast zwei Meter groß, sicher im Passspiel. Hat noch nicht viel bewiesen auf diesem Niveau, aber er ist jung und will was. Das zählt hier am Kiez.

    Simon Spari, 24 Jahre. Österreicher, Sturm Graz Jugend, zuletzt Austria Klagenfurt. Das jüngste Gesicht in der Runde, wahrscheinlich auch das verwirrteste wenn Szczesny Geschichten aus Champions League Finalen erzählt.

    Fünf Torhüter also. Fünf. Ich selbst hab nur zwei Hände und komm damit gut zurecht. Neo braucht scheinbar mehr.

    Irgendwie macht das aber Sinn. Szczesny als Erfahrung, Vasilj als Rückhalt, Mitov als Konkurrenz, Voll und Spari als Zukunft. Ein Plan steckt da drin, auch wenn er auf den ersten Blick aussieht wie Torhüter Tetris.

    Fiete, aus.
  • Ausgabe #01 - Oktober 2026

    Fiete vom Kiez berichtet:
    Kadercheck Teil 2 - Die Innenverteidiger
    Neo, das ist ein Weltverein.

    Moin. Fiete hier, heute schauen wir uns die Innenverteidigung an. Ich hab Holger kurz angerufen, der hat gleich aufgelegt. Zu viele Namen auf einmal. Ich versteh ihn.

    Hauke Wahl, 32 Jahre. Gebürtiger Hamburger, kennt den Kiez, kennt die Liga, kennt das Leid. Absoluter Abwehrchef, seit 2023 am Millerntor und hat hier direkt Verantwortung übernommen. Verlängert, gesetzt, unverzichtbar. Solange der läuft, läuft die Abwehr.

    Eric Smith, 29 Jahre. Der Schwede. Das Gehirn. Führungsspieler, Vizekapitän. Konstant wie Hamburger Schietwetter. Wenn Smith fit ist, spielt Smith. Der einzige Spieler im Kader bei dem ich mir keine Sorgen mache. Fast.

    Tomoya Ando, 27 Jahre. Der Japaner. Kommt aus der J-League, hat sich in der Bundesliga bewiesen. 1,91 Meter, ruhig, solide. Kein Lautsprecher, aber einer der einfach seinen Job macht. Holger nennt ihn den stillen Aufräumer. Ich auch jetzt.

    David Nemeth, 25 Jahre. Österreicher, Manchester City Jugend, jetzt Bundesliga mit St. Pauli. Großes Talent, aber bisher mehr verletzt als auf dem Platz. Die Saison war für ihn ein einziger Wettlauf gegen den eigenen Körper. Wenn er fit ist, kann er was. Das Wenn ist das Problem.

    Jeanuël Belocian, 21 Jahre. Franzose aus Guadalupe, kommt von Bayer Leverkusen. Hat dort Bundesliga Luft geschnuppert, jetzt soll er am Millerntor den nächsten Schritt machen. Vielseitig, kann Innenverteidiger und Linksverteidiger spielen. Klein für einen IV mit 1,86 Metern, aber schnell und technisch stark. Ein Rohdiamant. Ob Neo der Juwelier ist der ihn schleift, wird sich zeigen.

    Fünf Innenverteidiger also. Fünf. Ich hab kurz nachgezählt, zweimal, weil ich es nicht glauben wollte. Smith und Wahl als Fels, Ando als solide Ergänzung, Nemeth wenn er mal fit ist und Belocian als Zukunftsprojekt.

    Interessant übrigens. Fünf Keeper, fünf Innenverteidiger. Neo scheint eine Vorliebe für diese Zahl zu haben. Ich frag mich langsam ob der Rest des Kaders auch so aussieht oder ob das ein Zufall ist. Holger meint Zufall. Ich glaub Holger nicht mehr so blind wie früher.

    Klaus nickt. Klaus zählt vermutlich auch gerade nach.

    Fiete, aus.
  • Ausgabe #02 - Oktober 2026

    Fiete vom Kiez berichtet:
    Kadercheck Teil 3 - Die Außenverteidiger
    Quantität oder Qualität?

    Moin. Fiete hier, heute wird es überschaubar. Vier Außenverteidiger. Vier. Endlich mal eine Zahl die ich ohne Nachhilfe verarbeiten kann.

    Jacques Ekomie, 23 Jahre. Der Gabuner, 20 Millionen Ablöse, Neo hat geklotzt. Jung, noch grün hinter den Ohren wie ich schon mal erwähnte, aber mit Potential das man sehen kann. Kommt von Stade Reims, kennt also bereits den Weg nach Frankreich und wieder zurück. Die Frage ist, ob er die Ablöse rechtfertigt. Bei 20 Millionen ist das keine kleine Frage.

    Benjamin Henrichs, 29 Jahre. Der Deutsch-Ghanaer kommt von RB Leipzig und bringt eine ordentliche Vita mit. Leverkusen, Monaco, Leipzig, Nationalmannschaft. Das ist keine Hinterhofkarriere. Einer der auf diesem Niveau schon alles gesehen hat und genau weiß wie der Hase läuft. Am Millerntor soll er Erfahrung einbringen. Das kann er.

    Arkadiusz Pyrka, 23 Jahre. Der Pole, kommt aus der Ekstraklasa von Piast Gliwice, 155 Einsätze dort, dynamisch, flexibel, für die Bundesliga noch ein unbeschriebenes Blatt. Holger sagt der hat Feuer. Ich sag der muss es noch zeigen. Beides kann stimmen.

    Louis Oppie, 23 Jahre. Linksverteidiger, kommt von Arminia Bielefeld. War in Bielefeld wichtiger Bestandteil eines erfolgreichen Teams, hat Umschaltfußball im Blut. Einer der sich reinbeißt und genau das braucht man am Millerntor.

    Vier Außenverteidiger, drei davon 23 Jahre alt. Neo baut hier klar auf Jugend und Entwicklung. Ob das reicht für die Bundesliga, wird die Saison zeigen. Henrichs als Anker, der Rest als Projekt.

    Interessant übrigens, wir hatten fünf Keeper, fünf Innenverteidiger und jetzt vier Außenverteidiger. Neo schraubt die Zahlen langsam runter. Oder er plant noch einen weiteren Transfer. Ich würd auf letzteres tippen.

    Fiete, aus.
  • Ausgabe #03 - Oktober 2026

    Fiete vom Kiez berichtet:
    Kadercheck Teil 4 - Das Mittelfeld
    Neo, das ist ja die halbe Welt.

    Moin. Fiete hier, heute wird es international. Sehr international. Ich hab kurz nachgezählt welche Länder im Mittelfeld vertreten sind und musste dann kurz Google Maps aufmachen.

    Fabian Rieder, 23 Jahre. Der Schweizer, technisch stark, offensiv denkend, bringt Kreativität ins Spiel. Einer der auf dem Niveau schon bewiesen hat, dass er mithalten kann. Holger sagt der ist der Unterschiedsspieler im Mittelfeld. Ich sage abwarten.

    Joel Chima Fujita, 24 Jahre. Japaner, kann sowohl als Sechs als auch als Achter spielen. Spielintelligenz, Dynamik, Zweikampfstärke. In der vergangenen Saison einer der konstantesten Spieler am Millerntor. Und jetzt träumt er von der Premier League. Natürlich tut er das.

    Ismaël Bennacer, 28 Jahre. Der Algerier, kam für zehn Millionen von Stade Reims, soll das zentrale Mittelfeld beackern und Verantwortung übernehmen nach dem Reitz Abgang. Erfahren, zweikampfstark, weiß wo er hintreten muss. Das braucht man am Millerntor.

    Yannik Engelhardt, 25 Jahre. Deutscher, Bundesliga erprobt, defensives Mittelfeld, zuverlässig wie ein Hamburger Regenschirm. Nicht der aufregendste Name auf der Liste, aber einer der seinen Job kennt und ihn macht. Das ist manchmal mehr wert als Glanz und Glamour.

    James Sands, 26 Jahre. Der Amerikaner den man von New York geliehen und behalten hat, da er sich am Millerntor festgespielt hat. Vielseitig, kann Mittelfeld und Innenverteidigung spielen. Holger nennt ihn den Schweizer Taschenmesser des Kaders. Ich hab nichts dagegen.

    Danel Sinani, 28 Jahre. Der Luxemburger. Ja, Luxemburg. Offensives Mittelfeld, kreativ, einer der den Unterschied machen kann wenn er will. Manchmal auch wenn er nicht will. Führt die Kreativstatistiken im Team an, was entweder viel oder wenig bedeutet je nach Ergebnis.

    Mathias Rasmussen, 28 Jahre. Norweger, defensives Mittelfeld, ruhig, strukturiert, macht keine großen Fehler. Einer der nicht auffällt weil er nicht auffallen muss. Das ist ein Kompliment. Manchmal.

    Sieben Mittelfeldspieler, sieben Nationalitäten. Schweiz, Japan, Algerien, Deutschland, USA, Luxemburg und Norwegen. Wir sind nicht mehr nur Freibeuter, wir sind die Vereinten Nationen vom Millerntor.

    Klaus nickt. Klaus versteht das auch nicht ganz. Ich auch nicht. Aber irgendwie macht es Spaß.

    Fiete, aus.
  • Ausgabe #04 - Oktober 2026

    Fiete vom Kiez berichtet:
    Kadercheck Teil 5 - Die Flügelspieler
    Endlich mal überschaubar.

    Moin. Fiete hier, heute wird es kurz. Vier Flügelspieler. Vier. Ich könnte fast anfangen zu weinen vor Erleichterung nach den sieben Mittelfeldspielern letzter Woche.

    Ansgar Knauff, 24 Jahre. Der Göttinger. BVB Jugend, Europa League Gewinner mit Frankfurt. Auf dem Papier der klangvollste Name auf dieser Liste. Rechtsfuß, Flügelstürmer, Energiebündel. Hat technische Schwächen im engen Raum, macht das aber mit Einsatz und Tempo wett. Holger nennt ihn den Irren auf dem Flügel. Ich finde das passend.

    Jan-Niklas Beste, 27 Jahre. Der Routinier auf dem linken Flügel. Kennt die Bundesliga wie seine Westentasche. Kreativ, torgefährlich, einer der das Spiel lesen kann bevor es passiert. Im Sturm bildet er zusammen mit Knauf und Kleindienst ein Trio das sich wirklich sehen lassen kann.

    Taichi Hara, 27 Jahre. Der dritte Japaner im Kader. Neo scheint eine Vorliebe für japanische Spieler zu haben, was ich erst mal nicht kommentiere. Hara bringt europaweite Erfahrung aus Belgien, Spanien und Kroatien mit. 1,91 Meter groß für einen Flügelspieler, das ist schon eine Ansage. Bisher hauptsächlich Joker, aber einer mit Potenzial.

    Mathias Pereira Lage, 29 Jahre. Der Franzose mit portugiesischen Wurzeln. Hat Champions League Erfahrung in den Beinen und 160 Ligue-1-Einsätze. Vielseitig, kann mehrere Positionen spielen, bringt internationale Reife mit. Einer der leise kommt und laut wird, wenn man ihn lässt.

    Vier Flügelspieler, vier komplett verschiedene Typen. Der wilde Knauff, der erfahrene Beste, der große Japaner und der leise Franzose. Das klingt weniger nach einer Flügelabteilung und mehr nach dem Anfang eines Witzes.

    Aber hey, in diesem Kader passt das irgendwie.

    Fiete, aus.
  • Ausgabe #05 - Oktober 2026

    Fiete vom Kiez berichtet:
    Kadercheck Teil 5 - Der Sturm
    Das Ende einer langen Reise.

    Moin. Fiete hier, heute sind wir am Ende angekommen. Sechs Teile, fünf Keeper, fünf Innenverteidiger, vier Außenverteidiger, sieben Mittelfeldspieler, vier Flügelspieler. Und jetzt vier Stürmer. Ich brauch danach erstmal ein Bier.

    Tim Kleindienst, 31 Jahre. Der Deutsche. Fast zwei Meter groß, Bundesliga erprobt, weiß wo das Tor steht. Einer der schon Heidenheim in die Bundesliga geballert hat und jetzt für St. Pauli ballern soll. Im Sturm bildet er zusammen mit Knauff und Beste ein Trio das sich wirklich sehen lassen kann. Holger sagt der ist unsere Lebensversicherung vorne. Ich hoffe er hat Recht.

    Martijn Kaars, 27 Jahre. Der fliegende Holländer. Hat sich langsam aber sicher in die Herzen der Fans gespielt. Einer der sich reinbeißt, läuft wie ein Verrückter und im richtigen Moment zur Stelle ist. Klaus nennt ihn seinen Liebling. Klaus hat ausnahmsweise Geschmack.

    Emmanuel Latte Lath, 27 Jahre. Der Ivorer. Atalanta Jugend, Middlesbrough, Atlanta United und jetzt St. Pauli. Schnell wie der Teufel, Nationalspieler der Elfenbeinküste, spricht vier Sprachen fließend. Ob er das auch auf dem Platz so gut beherrscht wie neben ihm, wird sich zeigen. Das Potenzial ist jedenfalls vorhanden.

    Kento Shiogai, das Juwel, Japaner, 21 Jahre alt. Einundzwanzig. Ich war mit einundzwanzig noch nicht mal in der Lage pünktlich aufzustehen. Der junge Mann spielt bereits Bundesliga und Nationalmannschaft. Tempo, Pressing, Torinstinkt. Neo sieht hier ganz offensichtlich die Zukunft.

    Vier Stürmer, vier komplett verschiedene Profile. Der kopfballstarke Deutsche, der fleißige Holländer, der schnelle Ivorer und das japanische Supertalent. Das klingt nach einem Roman, ist aber unser Sturm.

    Und damit sind wir durch. Fünf Keeper, fünf Innenverteidiger, vier Außenverteidiger, sieben Mittelfeldspieler, vier Flügelspieler, vier Stürmer. Neo hat sich einen bunten, internationalen, irgendwie verrückten Kader zusammengebaut.

    Ob es reicht? Holger sagt ja. Klaus nickt. Und die Möwe vor dem Millerntor schaut heute zum ersten Mal seit Wochen so aus als wäre sie vorsichtig optimistisch.

    Fiete, aus.
  • Ausgabe #06 - Oktober 2026

    Fiete vom Kiez berichtet:
    Die große Startelf-Debatte. Fiete, Holger und Klaus lösen das.

    Moin. Fiete hier. Nachdem wir uns jetzt durch den kompletten Kader gewühlt haben, saßen wir gestern Abend zusammen. Holger, Klaus und ich. Drei Bier, ein Bierdeckel, ein Stift. Wir haben eine Startelf aufgeschrieben.

    Fangen wir im Tor an. Da waren wir uns einig. Szczęsny. Keine Diskussion. Klaus hat sogar aufgehört zu nicken und einfach nur den Namen hingeschrieben. Respekt.

    In der Abwehr wurde es dann etwas lebhafter. Rechts haben wir Henrichs gesetzt, der bringt die Bundesliga Erfahrung mit. Links Ekomie, der junge Gabuner darf sich beweisen, auch wenn Holger meinte er sei noch etwas grün. In der Mitte dann das bewährte Duo, Smith und Wahl. Das Gehirn und der Abwehrchef. Da hat niemand widersprochen. Nicht mal Klaus.

    Im Mittelfeld wurde der Bierdeckel dann etwas voller. Wir haben Bennacer als Sechser gesetzt. Der soll das Mittelfeld beackern, das war schließlich der Plan beim Transfer. Holger plädierte für Sands daneben, ich für Engelhardt. Am Ende hat Holger lauter argumentiert. Fehler, wie sich herausstellen sollte.

    Im Angriff waren wir uns dann wieder schnell einig. Links Beste, rechts Knauff, der Irre mit dem Tempo. Und davor Kleindienst, fast zwei Meter Mittelstürmer, der die Bälle festmacht und weiß wo das Tor steht.

    Wir lehnten uns zurück, ziemlich zufrieden mit unserem Bierdeckel. Und dann, aus dem Nichts, räuspert sich Klaus.

    Klaus. Der nickt. Klaus der noch nie im Stadion war. Klaus der bei jeder Frage nickt egal ob er die Antwort kennt oder nicht.

    Dieser Klaus legt sein Handy auf den Tisch und sagt, er habe da was. Neo spiele kein 4-3-3. Es werde ein 4-4-1-1, mit Bennacer, Engelhardt und Rieder im Mittelfeld. Holger und ich haben uns angeschaut. Dann auf das Handy. Dann wieder auf Klaus.

    Bennacer hatten wir richtig. Aber Engelhardt statt Sands, den Holger durchgedrückt hatte. Holger war kurz still. Sehr kurz. Dann meinte er, er hätte das natürlich auch gewusst. Holger lügt manchmal.

    Und Rieder als Zehner. Den hatten wir auf dem Bierdeckel nicht mal erwähnt. Kreativ, technisch stark, genau das was man auf der Zehn braucht. Eigentlich logisch im Nachhinein. Im Nachhinein ist man immer klüger.

    Klaus hat danach wieder genickt. Als wäre nichts gewesen. Fünf von acht Positionen sind nicht schlecht für drei Männer und ein Bier. Aber die entscheidende Info kam von Klaus.

    Das hätte ich nicht gedacht. Vermutlich er selbst auch nicht.

    Fiete, aus.
  • Ausgabe #07 - Oktober 2026

    Fiete vom Kiez berichtet:
    Das Millerntor wächst. Ich auch fast. Vor Stolz.

    Moin. Fiete hier, heute mit einer Nachricht die mich ehrlich gesagt emotional macht. Und ich bin nicht der emotionalste Mensch auf dem Kiez, das wissen die die mich kennen.

    Das Millerntor wird fertig. Pünktlich. Oder zumindest fast pünktlich, was in der Baubranche ungefähr dasselbe ist wie ein Wunder.

    Fünfzigtausend Plätze. Ich sag das nochmal. Fünfzigtausend. Das Millerntor, unser Millerntor, fasst dann fünfzigtausend Menschen. Holger hat beim Telefonat kurz geschluckt. Klaus hat genickt. Ich hab aus dem Fenster geschaut ob Hamburg noch so aussieht wie immer.

    Tut es. Aber irgendwie größer.

    Und als wäre das nicht schon genug, soll der Ausbau direkt zum ersten Spieltag fertig sein. Gegner Mainz 05. Der erste Heimspieltag in einem neuen Millerntor, vor fünfzigtausend Fans, in der Bundesliga. Ich bekomme gerade eine Gänsehaut und ich sitze in meiner Stammkneipe wo es eigentlich immer zu warm ist.

    Natürlich bleibt die große Frage, wo das Geld herkam. Fünfunddreißig Millionen für den Ausbau. Holger weiß es nicht. Ich weiß es nicht. Klaus nickt, aber Klaus weiß auch nichts, auch wenn er uns neulich mit der Startelf überrascht hat. Das war einmalig.

    Irgendwer hat hier tief in die Tasche gegriffen. Und ich bin zu glücklich gerade um lange drüber nachzudenken.

    Fünfzigtausend Plätze. Erster Spieltag. Mainz 05.

    Die Möwe vor dem Millerntor schaut heute aufgeregt aus. Ich auch.

    Fiete, aus.

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