„Für manche bin ich sicher nervig"
Für ihn klingt es oft nach falscher Bescheidenheit, wenn Leute behaupten "Ich mag es nicht im Mittelpunkt zu stehen". Nach Manager Molle merkt man doch vielen Leuten dann an der Mimik an: doch, das mögen sie sehr wohl, aber das können wohl die wenigsten offen zugeben. Im kurzen Interview mit uns verrät der OGC-Chef, die zwei Momente in seinem Leben, wo er gern im Mittelpunkt stand, warum er sicherlich auf viele Manager einen manchmal nervigen Eindruck abgibt und was seine Ziele für das zweite Jahr in der Ligue 1 sind.
Nice: Moin, Molle. Genießt du aktuell die Winterpause?
Molle: ne, ehrlich gesagt nicht. Ich sitze auf heißen Kohlen. Für mich war es schon eine Qual, dass wir als 18er Liga und ohne internationale Beteiligung quasi eine Woche früher in der Pause waren. Von mir aus kann es morgen schon wieder losgehen.
N: Am 27. September geht es weiter. Das sind noch gute zwei Wochen. Heißt es für dich bis dahin auch mal eine Pause einzulegen, oder geht es direkt weiter?
M: man wird ja quasi zu einer kleinen Pause gewzungen. Abseits des Platzes kümmere ich mich schon noch um die News, versuche Spieler zu verkaufen oder Verhandlungen anzufangen. Aber scheinbar gilt die Pause für mehr Manager, als ich es gedacht hätte.
N: wir haben gelesen, dass du zum Wochenende einen neuen Torhüter präsentieren könntest. Magst du uns da mehr verraten?
M: ungern, da ich niemanden beeinflussen will. Wir hatten schonmal einen Deal mit dem Verein und dieser scheiterte aus diversen Gründen auf der Zielgerade - das möchte ich nun besser machen. Der Deal würde mich aber sehr freuen, auch wenn er teuer ist und gewisse Überlegungen über den Haufen wirft.
N: wenn wir schon keine Namen bekommen, dürfen wir aber erfahren welche Überlegungen damit gemeint sind?
M: wir würden einen guten Teil des vorhandenen Kapitals verlieren. Kapital, dass für größere Investitionen in den Profikader eingeplant war - aber eben nicht auf der Torhüterposition.
N: du hast mit Safonov, Jaros und Majecki drei relativ gute Keeper, dazu mit Florian Müller und Alessandro Plizzari zwei in der Hinterhand, dessen "Möglichkeit auf Wertsteigerung" du ohne Unterlass bewirbst. Wozu nun ein erneuter Torhüter?
M: beim BoM gibt es einen Manager, dessen Name möchte ich aus gleich erklärten Gründen nicht nennen, der mir sehr oft tierisch auf den Sack ging. Sei es in allgemeinen Verhandlungen oder öffentlichen Äußerungen. Er hat durchaus auch gute Seiten und ist an für sich ein exzellenter Manager, aber ich kam mit seiner Art selten klar. Was er aber seit jeher richtig beherrscht, ist das Torhütergame. Spielt ein Torhüter bedeutet das eine immense Wertsteigerung, spielt er gerade mal nicht, sind sie in der Regel günstig zu bekommen. Um ganz ehrlich zu sein: auf diese Karte setze ich. Dazu muss man aber auch sagen, dass uns auch einer der oben genannten Torhüter verlassen würde.
N: auf dem Markt bist du auch die meiste zeit über sehr aktiv - alles will dir aber auch nicht gelingen. Gibt es da manchmal Zweifel an Spielern?
M: an Spielern nicht, nein. Ich hatte mal die Überlegung, ob ich damit "werben" sollte, dass es einfach Manager gibt, die ein sehr, sehr gutes Händchen mit Talenten und Spielern haben. Um das mal zu konkretisieren: bei BoM kann man King of Swing oder Jahnler, aber auch Gonza dafür nennen, dass die ihre Spieler sehr genau kennen. Für mich ist es dann also schon etwas interessanter, dass Spieler aus deren Reihen gewiss ein Potential besitzen. Ich kann jetzt hier aber schlecht verkünden "kauft meine Spieler, ich bin der geilste Talentscout und meine Spieler die absolut besten". Das wäre nicht nur komplett arrogant, es wäre auch nicht richtig. Dagegen gibt es aber halt auch viele Spieler, die ich bereits verkauft habe, die hinterher wirklich das Potential ausgeschöpft, oder die Rolle eingenommen habe, mit der ich geworben habe. Sei das nun Renato Veiga ("Wertsteigerung"), Remy Descamps ("irgendwann Stammtorhüter"), Alvaro Carreras ("Stammspieler von Real Madrid") oder Vitezslav Jaros, den ich selbst wieder geholt habe, weil es tatsächlich so wie erwartet kam, dass auch er aktuell Stammspieler ist. Natürlich bestätigen die Ausnahme die Regel, aber ich versuche auch mit dem Willen des Verkaufens keinen Blödsinn zu schreiben.
N: hast du Verständnis dafür, dass das nicht überall ankommt?
M: Na, klar. Ich bin mir sogar sicher, dass ich einige damit nerve oder manche sogar insgeheim Angebote mir gegenüber boykottieren, einfach weil sie keine Lust auf dieses Spielergeschiebe für ein paar Millionen mehr in der Kasse haben. Für mich ist das aber in erster Linie einfach ein Spaß. Natürlich sind auch 3 Millionen am Ende mehr in der Kasse toll, aber auch Spieler wie Nasser Djiga, Crysencio Summerville, Manuel Locatelli oder Reda Belahyane beweisen: Deals mit mir können sich auch für den Gegenüber zum großen Vorteil entwickeln.
N: du hast in einem früheren Interview mal gesagt, du magst es nicht im Mittelpunkt zu stehen. Dein öffentliches Auftreten passt da nicht ganz so zu.
M: aber das stimmt wirklich. In meiner Rolle als Außendienst hatte ich vor kurzem ein Übergabegespräch: ein Lieferant wechselte den Außendienst. Mit dem alten hatte ich zehn Jahre sehr gut, auf Augenhöhe und auch erfolgreich zusammengearbeitet. Als dieser mich dem neuen Kollegen vorstellte, sagte er im Flüsterton zu diesem: "bester Mann im Laden, einfach an dem halten". Statt sich zu freuen und das mal über sich ergehen zu lassen, war ich gleich peinlich berührt und habe gesagt: „Heinrich, halt die Fresse". Ich mag das wirklicht nicht, auch wenn ich danach im Auto zumindest ein bisschen grinsen musste.
N: gibt es denn Ausnahmen, wo du doch mal gerne im Mittelpunkt stehst?
M: privat fallen mir da zwei Situationen ein: zum einen die Hochzeit mit meiner Frau. Ich hatte zu Anfang irres Lampenfieber da vorne auf so einem Präsentierteller zu sitzen, rechts Braut und Trauzeugin, links mein Trauzeuge und vor uns alle Gäste in froher Erwartungshaltung. Aber als das Mikrofon das erste mal angeworfen wurde erkannte ich: „Junge, das sind alles Leute die du liebst, die du magst. Die dich so kennen wie du bist". Ab da an habe ich es komplett akzeptiert und genossen. Die zweite Situation war mein 30. Geburtstag. Ähnliches Prinzip: nur geile Leute, relativ kleiner Kreis. Ich konnte sein wie ich bin und war dann auch mal gern im Mittelpunkt.
N: und bei der Sozone?
M: muss jetzt auch nicht unbedingt sein. Nicht falsch verstehen: ich freue mich über jedes Like, jeden Kommentar bei News oder Podcasts, aber ich mache das wirklich nicht dafür, oder weil ich jemanden gefallen möchte. Ich mach das einfach, weil es mir richtig viel Spaß macht. Aber ich kann verstehen, wenn es vereinzelt Manager gibt, die dann irgendwann von dieser Allgegenwärtigkeit etwas genervt sind.
N: du bist nun ein Jahr bei der OGC Nice. Im Kader hat sich viel getan, du bist gerade dabei das Team wieder in den Top 5 zu etablieren. Was sind deine Ziele für das nächste Jahr in der Ligue 1?
M: erstmal möchte ich mein Veto einlegen, dass ich Nice in der Top 5 etabliere. Da fließt noch viel Wasser den Paillon runter. Aber klar wäre es ein Bestandteil des Plans diese Tabellenregion zu erreichen. Ich freue mich erstmal auf das neue Stadion, welches nächste Woche Eröffnung feiert und darauf, weiter am Kader basteln zu können. Alles andere kommt dann von alleine. Vor allem solange es Spaß macht - das ist sowieso das A und O.
N: vielen Dank für deine Zeit.
M: sehr gerne.