In einem etwas kürzeren Bericht möchte ich mich gleich drei Teams widmen, die mir in den letzten Wochen und Monaten aufgefallen sind. Und die eines gemeinsam haben: einen sehr unterschiedlichen Wandel mit drei sehr unterschiedlichen Wegen und Zielen. Fangen wir gleich mit einem sehr prominenten Team an, dem deutschen Tabellenführer: RB Leipzig. Als der_juli Ende August 2025 überraschend seinen Hut nahm, stellten die Bullen - mindestens genauso überraschend - den Chef der Fohlen unter Vertrag: _Studinho_. Pikant an der Sache: zu diesem Zeitpunkt war der Kampf um die deutsche Meisterschaft noch recht offen, auch weil der Kader von Borussia Mönchengladbach unter der Führung vom Ex-Manager mit einem Sturmduo um Lionel Messi und Cristiano Ronaldo sehr prominent besetzt war. Leipzig war damals, zum 17. Spieltag, sogar ein sportlicher Abstieg, lag man doch mit 35 Punkten auf Rang 4 und zwei Plätze hinter der Borussia (41 Punkte). Studinho witterte aber seine langfristige Chance auf die Meisterschaft in der Bundesliga und - so einige Kritiker - floh auch ein Stück weit aus seinem eigens geschaffenen Rentnerteam: Messi, Ronaldo, Yann Sommer, Lewis Dunk, Rodrigo de Paul, Serhou Guirassy. Allein sechs der Stammspieler waren zum Zeitpunkt des Wechsels 30 Jahre oder wesentlich älter. Kurioser wird es nur, wenn wir uns nochmal vergegenwärtigen, wer am Ende deutscher Meister wurde: Dominho und Borussia Mönchengladbach. Vizemeister wurde RB Leipzig. Punktgleich. Dank CR7 und Messi hatte Gladbach jedoch die bessere Tordifferenz.
Geschichten, die nur der ZoS schreibt und die sich in den Augen von Studinho nicht wiederholen darf. Und damit dies nicht geschieht, wiederholt er selbst seine eigene: die Schaffung eines gut funktionierenden Rentnerteams, das auf dem absoluten Peak (oder ein Stück weit dahinter) agiert. Und dafür werden ausgewählte Spieler verpflichtet, die RB zur zweiten Meisterschaft schießen sollen. Aktuelle Beispiele und Verpflichtungen Ende letzter und vor allem im Laufe dieser Saison: Harvey Barnes (28), James Rodríguez (34). Kyle Walker (35), André Gomes (32), Marko Arnautovic (36), Antonio Rüdiger (33), Thiago Silva (41), Edinson Cavani (39), Mohamed Salah (33) und nicht zuletzt Harry Kane (32). Zwar sind im letzten Spiel nur vier der genannten in der Startelf aufgelaufen, die Taktik wird also über die Saison vor allem die Breite betreffen, aber an einem langfristigen Plan scheint man in Sachsen nicht interessiert. Dabei gibt der Erfolg Leipzig und Studinho aktuell sogar Recht: mit 25 Punkten ist man zum 11. Spieltag sogar Tabellenführer. Vor Borussia Mönchengladbach auf Platz 2. Inwiefern Leipzig aber mittel- und langfristig auf diesem Niveau Leistungsfähig bleiben kann, steht auf den Dosen geschrieben.
Das genaue Gegenteil findet gerade in London statt, konkret beim FC Chelsea und chrahl. Das der sympathische Stuttgart-Fan auch relativ gut "verwalten" kann, hat er bisweilen bei den Blues bewiesen - beim BoM auch lange Jahre unter der Führung des FC Den Bosch. Möchte man es kritisch meinen, könnte man sagen: Veränderung mag er nicht so gerne. Entsprechend in die Jahre gekommen sah auch der Kader zum Ende der letzten Saison aus, der Chelsea natürlich die Jahre zuvor zahlreiche Titel bescherte: mit Harry Kane, Virgil van Dijk, Mo Salah, Nathan Aké und David Raya ist zwar nur (im Vergleich zu RB) ein Teil des Teams oberhalb der 30 Jahre, dafür ist es eben diese Achse, die Chelsea auch noch letzte Saison die Vizemeisterschaft einbrachte. Knapp drei Monate später ist von den genannten Spielern nur noch Virgil van Dijk unter Vertrag - und Chelsea sicher etwas langfristiger aufgestellt. Joao Pedro, Malick Thiaw, Djordje Petrovic, Iliman Ndiaye, Rodrigo Muniz oder Mohammed Kudus sollen eine neue Ära prägen, auch wenn ich fest davon überzeugt bin, dass viele Spieler nur als Zwischenschritt gesehen werden. Und genau deswegen verfolge ich den Wandel bei Chelsea so interessiert und mit großen Respekt, weil man scheinbar einen Plan verfolgt. Während ich den Deal (und wieder sind wir beim Rasenball Sport) mit Leipzig und der Personalie Benjamin Sekso "so lala" fand, hat er nur Wochen später mit dem FC Lorient zu 100% Sinn ergeben. Tolle Arbeit und ich hoffe, man ist damit an der Fulham Road noch nicht am Ende.
Ein Ende scheint auch nicht der letzte Kandidat zu kennen, auf den wohl viele auch gewartet haben: Alavés-Macher JessePinkmann. Fangen wir kritisch an: sein Bieterverhalten, vor allem wieder jüngst bei den Auktionen, kann zuweilen anstrengend sein. Eine Regel dagegen gibt es jedoch nicht. Auch bin ich selber kein großer Freund von der Taktik Deals im Websoccer zu eröffnen um augenscheinlich die Stärke anderer Spieler an den Gehaltsforderung abzuschätzen. Am Ende ist der SoZone aber eine Unterhaltungsplattform - und die liefert der Manager des spanischen 3. der letzten Saison aktuell wohl wie kein anderer. Gerüchte besagen, dass er aktuell knapp 500 Millionen auf dem Konto hat - Tendenz steigend. Weiterhin scheint er tatsächlich mit PSG in Verhandlungen getreten zu sein, um eine Verpflichtung von Erling Haaland abzuwägen. Wer nun milde lächeln muss, der sei daran erinnert, dass Alavés auch entgegen vieler Erwartungen einen anderen Top-Stürmer der Premier League holen konnte. Zugegeben ist Viktor Gyökeres mindestens ein Level unter Haaland anzusiedeln, kostete aber auch nur knapp 1/5 der kolportierten Summe, die Klaus angeblich für den Norweger aufrufen soll. Doch während die Taktik bei Leipzig (alte Spieler holen Erfolge für heute) und Chelsea (junge Spieler holen die Erfolge von morgen) scheint man in Spanien eher dem Motto eines gewissen Petyr Baelish zu folgen: "Chaos ist eine Leiter". Und diese möchte Jesse anscheinend ganz hoch steigen. Wo diese Leiter enden soll? Ich glaube, das könnte der aktive Manager aktuell auch nicht so richtig beantworten. Um den Artikel mit einer anderen Leinwandikone zu beenden, würde ich Jesse und Alaves mit folgenden Zitat entlassen und drücke weiter die Daumen, dass die Geschäfte weiter so fruchten.
„Sehe ich aus wie einer, der immer einen Plan hat? Weißt du, was ich bin? Ich bin ein Hund, der Autos nachjagt. Ich wüsste gar nicht, was ich machen sollte, wenn ich eins erwische.“