Es ist der 24. September 2024 als Theo nach über zweieinhalb Jahren als Manager von Manchester United seinen Rücktritt erklärt und bis heute als solcher nie wieder in Erscheinung getreten ist. Zwar verlässt der 42-jährige Sachse das Team mit zwei FA-Cup-Trophäen (2023-1 und 2022-2) konnte aber nie die Dominanz von Arsenal und Co. brechen. Auch ein internationaler Erfolg, nach dem letzten europäischen Ausrufezeichen mit dem Sieg des Europa-League Titels (2020-1) unter Phaethon, wollte ihm nicht gelingen. Trotzdem war der Schock und die Überraschung groß, als der erfahrene Coach sich von der Bühne der SoZone verabschiedete.
Mit dem Wissen, dass man einem absolut dominanten Arsenal FC Einhalt gebieten muss, aber auch auf Altmeister Chelsea sowie die Verfolger Liverpool, Tottenham und Wolverhampton rechnen sollte, suchte Vorstandsvorsitzender Joel Glazer eine langfristige, aber ebenso erfahrene Lösung. Nicht zuletzt, weil auch Stadt-Rivale Manchester City unter -Neo weiter zweite Kraft in Manchester bleiben sollten. Die Lösung wurde in weniger als einer Woche gefunden und sollte ein bekanntes Gesicht im ZoS-Kosmos sein: Sechzig. Kurios wenig später der Leak vom neuen Manager selbst: so habe er mit dem amerikanischen Eigentümer das Agreement getroffen den Verein zulasten des mittelfristigen sportlichen Erfolgs komplett neu aufbauen zu dürfen. Joel Glazer, auch nach 20 Jahren als Chairman bei den Fans immer noch umstritten, stimmte diesem Vorhaben überraschend zu und konnte sich relativ schnell an den Anblick eines Umbruchs gewöhnen. Während beim letzten Ligaspiel unter Theo am 19. August 2024 noch Manuel Neuer, Federico Dimarco, Germán Pezzella, Christian Pulisic, Cody Gakpo und Leroy Sané in der Startelf standen, waren die knappe zwei Monate zum Saisonauftakt am 23. Oktober gar nicht mehr im Kader der Red Devils.
Man könnte dem 37-jährigen nun Aktionismus vorwerfen – und liegt damit wohl nicht gänzlich falsch. Auch bei den Fans kamen viele Transfers nicht unbedingt gut an, fühlten sich die meisten durch die schmerzhafte 3:0 Niederlage ausgerechnet gegen Manchester City im ersten Ligaspiel unter Sechzig bestärkt. Doch der Bayer sollte an seiner Vision festhalten, auch wenn man nach Ende der Hinrunde 2024-1 nur noch 6. in der Tabelle war und ausgerechnet die Cityzens vom Anfang der Tabelle milde auf die Stadtrivalen lächelten. Höhepunkt noch im Jahr 2024: die Ernennung zum Deal des Monats Dezember (mit Dusan Vlahovic verließ ein nächster Star United, es kamen Ismaël Doukoure, Rayan Ait Nouri, Arnaud Kalimuendo und 20 Millionen). Zwar sollte es die erste und einzige Auszeichnung bleiben, aber schon heute kann man sagen: Game, United.
Sechzig selbst betonte in den News des Öfteren, dass er sich Zeit lassen, Niederlagen einkalkulieren und nicht vom Weg abkommen wollte. Was sich manchmal wie eine Phrase oder ein Understatement nach gescheiterten sportlichen Resultaten anhört, untermauerte er weiterhin mit teuren, aber sinnvollen Ablösen. Ob es sein selbstgewählter "Lieblings-Transfer" mit Ligarivale Tottenham, der ihm vor allem Wunschspieler Leny Yoro einbrachte, oder die stolze Ablöse vom Mittelfeld-Stratege Andrey Santos ist: Langfristigkeit und Perspektive wird großgeschrieben. Da gehört es auch zu, dass sich manche Transfers aktuell nicht so entwickeln, wie man es vor knapp neun Monaten noch erwartet hat: trotzdem hält Sechzig am kolumbianischen Mittelstürmer Jhon Durán fest. Aber auch hier beweist der Manager, dass er auch anders kann als sich in Aktionismus zu verlieren.
Quo vadis, Manchester United. Eine Frage, die trotz der Qualität des Managers mitsamt der löblichen Geduld nur schwer zu beantworten ist. Tatsache ist: Der Kader hat mit dem Generationentausch im Tor einen wichtigen Baustein gelegt. Auch Neuzugänge wie Leny Yoro, Mickey Moore, Andrey Santos und Rayan Ait Nouri sollten über Jahre eine gewisse Sicherheit, Stärke und Sexyness bringen – natürlich, wenn man das nötige Glück auf seiner Seite hat. Abseits davon gibt es noch viele Spieler, die im Kader gehalten werden konnten (Botman, Elliot, Malcolm), die weiterhin gewisse Tabellenregionen und Ansprüche untermauern. Auch ein Transfer vom Russen Aleksandr Golovin (der kaum ein Managerherz höher springen lässt) war unter der Prämisse "Preis-Leistung" ein vernünftiger Schritt – aber ist United in zwölf Monaten bereit für die ganz großen Coups? Wahrscheinlich nicht.
Wenn man Sechzig überhaupt etwas unterstellen kann, dann das sein Projekt und Umbau wohl länger dauern wird, als man es von außen angenommen hat. Dass aber ein Umbruch Punkte, wenn nicht gar Titel kosten kann, zeigen aktuell auf eindrucksvolle Art & Weise die Gunners aus Holloway. Klar ist aber auch, dass die durchaus höhere Aktivität der Red Devils jetzt schon erste Früchte trägt und man durchaus das Potenzial hat, die beiden letzten Resultate in der Liga (jeweils Platz 6) zu überbieten. Schwer wird es allemal, da vor allem in der englischen Spitze mit City, Arsenal, Tottenham und Liverpool alle Manager eindrucksvoll zeigen, wie Aktivität am Markt aussieht. Aber mit ein paar guten Händen, dem ein oder anderen 'Deal des Monats' und der Motivation von Sechzig steht United’s Schicksal – trotz der nationalen Konkurrenz – unter einem guten Stern.