Die ersten blauen Augen sind geholt, die ersten Hoffnungen wachgeküsst: die Saison 2025-2 hat ihre ersten Runden gedreht. Mittendrin geht aber eine andere heiße Phase los: das Einberufungsfenster. Und selten sind Emotionen so nah beieinander und doch so unterschiedlich: während die einen überhaupt mal auf eine Einberufungen hoffen, sind Manager wie lolo wohl dort angekommen, dass man am Ende bestenfalls gar keine Wahl mehr hat - man trifft ja eh die falsche. Gut, dass ich am Ende nicht für alle entscheiden muss, aber alles bewerten darf. Am Ende werde ich viele Spieler besprechen, auch solche wie beispielsweise Estêvão von Chelsea, die bereits einberufen sind. Kleine Spielerei meinerseits: jede Einberufung bekommt eine Punktzahl von 0 bis 100. Kritikpunkte: Alter, Talent bzw. Potential, Kosten- und Leistungspunkt (aus Sicht des potentiellen Einberufungsteams).
Augusto Batalla (Rayo Vallecano)
Gute Torhüter sind eine Rarität und auf dem Markt und meist nicht ohne Ersatz oder zumindest eine gehobene Ablöse zu bekommen. Spätestens seit der letzten (und ersten) Saison im Trikot von der Überraschungsmannschaft Vallecano darf sich auch der Argentinier Augusto Batalla als mindestens solider Torhüter bezeichnen, steigerte er seinen Marktwert auf ein Karriere-Peak von 6 Millionen und beendete von 32 Spielen immerhin 8 mit einer weißen Weste. 39 Gegentore innerhalb einer LaLiga-Saison sind alles andere als blasser Durchschnitt. Und eine Ablöse von 1.600.000 € sollte auch für die tendenziell kleine Mannschaft von (BO) zu stemmen sein.
80/100 Punkten
Samson Baidoo (RC Lens)
Spieler vom RB Salzburg galten sicherlich noch vor weniger als 18 Monaten als absoluter "No-Brainer" im Einberufungsfall: meist waren die Spieler gut ausgebildet, hatten ein richtig gutes Mindset oder waren mindestens exzellent gescoutet. In Österreich ist der Nimbus der Unbesiegbarkeit aber längst abhanden gekommen und auch das Salzburger Tafelsilber nicht mehr so glänzend wie noch unter der Ägide von Rose, Jaisle oder Marsch. Aber ausgerechnet der RC Lens hat ja - meiner Meinung nach - mit Abwehrspielern aus Österreich bisher ein gutes Händchen gehabt. Und auch wenn Baidoo noch einen langen Weg zu gehen hat und vor allem international viel Erfahrung braucht: es hätte auch schlimmer kommen können, auch wenn ich Samson noch nicht für den "No-Brainer" vergangener Tage halte. Den Spatz in der Hand hat -Neo aber schonmal.
70/100 Punkten
Cyriaque Irié (SC Freiburg)
Es gibt manchmal so Spieler, auf die man richtig Bock hat. Ich zumindest kann das oft gar nicht begründen (ein Thema, welches im kommenden Podcast nochmal näher betrachtet wird). Einer davon ist der Burkiner Cyriaque Irié, den sich Piller vom SC Freiburg gönnen könnte. Dabei war seine letzte Saison (rein an den Scorern gemessen) gar nicht mal so herausragend im Dienste des ES Troyes (die wohl ihre Einberufungen damals beim Wechsel vom Dijon FCO nicht nutzen). Mit einem Marktwert von 8 Millionen Euro, einer Ablöse auf diesem Niveau und der jüngsten Erkenntnis, dass die Freiburger nach den ersten Eindrücken sehr stolz auf ihren Neuzugang sind (Interviews, Trainingseindrücke, Herangehensweise an das Team, eigene Sicht der Dinge) ist der 20 jährige gerade im ruhigen Umfeld des SC Freiburg wohl perfekt aufgehoben und für mich persönlich ein heißer Kandidat für ein Shootingstar dieser Saison.
80/100 Punkten
Luka Vuskovic (Tottenham)
Die Spurs und ihre Innenverteidiger. Was habe ich damals zum Beispiel Davinson Sanchez gefeiert. "Abgestürzt". Radu Dragusin - eine genuesische Maschine und für mich eine der heißesten Abwehraktien der Serie A damals. Natürlichen bedingt durch eine schwere Verletzung etwas in das Hintertreffen geraten, aber auch seine ersten Schritte in der Premier League waren... ausbaufähig. Ähnliches gilt für van der Ven, der meiner Meinung nach sein Niveau längst bewiesen hat, aber dank Oberschenkel aus Glas auch erstmal langzeitig fit werden sollte. Nun soll der Kroate Luka Vuskovic die neue Innenverteidiger-Hoffnung der Spurs sein (fern nicht doch noch Ilya Zabarnyi kommt und Luka verliehen wird). Doch wer ist der einmalige Nationalspieler überhaupt? Für mich (wie gesagt ohne besondere Vorkenntnisse zu allen Spielern) eine der interessantesten Abwehrspieler des ganzen Pools: allein seine Saison bei den von Timmy Simons geführten KVC Westerlo war derart überzeugend, dass es mich wundert, dass er nur 11 Millionen und damit auf Marktwertniveau kostete. Allein sein Bicylce-Tor als 17 jähriger sind ein Augenschmaus (übrigens nur eines von seinen 7 (!) Ligatoren letzte Saison). Ja, die Premier League als Stammkraft kommt sicher zu früh, aber Glückwunsch nach London, dass TLLmeister schon jetzt so eine Sahne Option hat.
85/100 Punkten
Marius Broholm (OSC Lille)
Müsste ich innerhalb von 3 Sekunden ein Ligue 1 Team nennen, dass in der Jugend und im Scouting einen super Job macht, würde ich wohl dank Beispiele wie Eden Hazard, Jonathan David, Victor Oshimen, Rafael Leao, Nicolas Pépé, Leny Yoro, Amadou Onana, Sven Botman, Gabriel Magalhães, Carlos Baleba (etc.) den OSC Lille nehmen. Und ja, bevor ihr euch aufregt: ich weiß, dass die nicht alle dort ausgebildet wurden und manche bereits dort "Stars" waren, aber ich behaupte: würde es den OSC nicht in der Vita jedes einzelnen der genannten Spieler geben, ihre Karriere wäre anders verlaufen. Und so habe ich die berechtigte Hoffnung, dass auch jeder externe Neuzugang das Potential hat sich in der Reihe dieser extravaganten Gentleman einzureihen. Ob das auch für den Norweger Marius Broholm gilt? Wir werden sehen. Zwar kommt der Kollege nicht mit der gleichen Status und Athletik wie Landsmann Erling daher, hat aber auch auf dem Rechtsaußen irgendwie einen anderen Job. Vielleicht nicht die Einberufung, aber allemal eine sehr interessante Option.
65/100 Punkten
Koki Machida (TSG Hoffenheim)
Man kann ja von diesen "Retortenvereinen" wie RB, Bayer, Wolfsburg oder Hoffenheim halten, was man möchte. Aber insbesondere Leverkusen, RB und die TSG haben für mich immer einen Vorteil gegenüber vielen Traditionsteam wie zum Beispiel ("meinem") SV Werder Bremen: das Scouting hat Hand und Fuß und das Geld wird gut angelegt. Zwar mag ein Blick auf die Transfererlöse seit 2020 etwas anderes behaupten (hier führt Werder Bremen mit einem Plus von 50 Millionen gegenüber der TSG (+30) und Leipzig (-32)) aber das Geld wird halt auch immer wieder investiert - eine Tatsache, die ich mir als Bremer seit Jahren vergeblich wünsche. Und während Hoffenheim die letzten Jahre auch oft gute (Transfer-)Treffer landete (Maximilian Beier, Christoph Baumgartner, Georginio Rutter, David Raum, Joelinton) waren die sportlichen, als auch transfertechnischen Erfolge jüngst seltener geworden. Ich als ausgesprochener Japan-Fan hoffe aber, dass Koki Machida genau wie Ito, Endo, Mitoma oder Doan einfach etwas später in seine "Prime" findet und TomHeld sich über einen sehr soliden Abwehrspieler freuen kann.
65/100 Punkten
Max Weiß (FC Burnley)
Manuel Neuer bald in den 40ern, Marc-Andre ter Stegen körperlich (scheinbar) nicht mehr auf altem Niveau, die Verfolger, Trapp und Baumann, kaum wesentlich jünger und Alexander Nübel für viele immer noch nicht auf dem gewünschten Niveau. Deutschland scheint sich auf den Luxus nach Generationen von Oliver Kahn und Manuel Neuer etwas erden zu müssen - das deutsche Torhüter-Toptalent scheint nicht in Sicht. Aber während sich viele auf Atoboulu, Urbig oder mit viel Kreativität den Stuttgarter Seimen beschränken, ist der Name Max Weiß etwas in das Hintertreffen geraten. Der gerade 21 Jahre jung gewordene und "nur" zweifache U20-Nationalspieler hat dafür etwas getan, wofür anderen in diesem Alter die "Eier" fehlen: einfach mal in's Ausland gehen. Der FC Burnley und Manager Meh sind nun sein Zuhause und für mich eine ernste Einberufungsmöglichkeit, ohne die anderen Optionen zu kennen. Am Ende kommt Alex Weiß ja auch, wie ein hellblonder Mann mit Ehrmann auf dem Trikot, aus dem gleichen Stall. Wenn das kein Zufall, gar ein kleines Versprechen, ist.
75/100 Punkten
Estêvão (Chelsea)
Was haben Armando Broja, David Datro Fofana, João Félix, Ben Chilwell, Axel Disasi, Kiernan Dewsbury-Hall, Raheem Sterling und Mykhaylo Mudryk gemeinsam? Ja, wahrscheinlich haben alle wunderschöne, tief inspirierte Tattoos, aber alle sind tatsächlich aktuelle Spieler des Chelsea FC (und nein, aktuell sind die nicht einmal verliehen, wie zum Beispiel Deivid Washington). Einreihen tut sich nun in den bereits 44 Köpfe großen Kader das nächste Basilien-Import: Estêvão. 18 Jahre, 60 Millionen Euro schwer (tm.de), fünffacher Nationalspieler, die Erfahrung von 83 Profispielen, garniert mit immerhin 42 Scorern - könnte das der nächste Big Hit aus dem Zuckerhut werden? Die Chancen sind da, eigentlich wie immer, aber nach etlichen Flops aus dem Amazonas-Becken, könnte die neue Aktie der Blues wirklich mal richtiges Potential haben - fern der junge Mann mit dem sprichwörtlichen Klimawandel (auf vielerlei Ebenen) klarkommt und die mentale Stärke mitbringt. Kein Wunder aus meiner Sicht, dass chrahl hier trotz einer stolzen Ablöse von fast 120 Millionen bedenkenlos zuschlägt - und alle anderen Optionen freiwillig streicht.
85/100 Punkten
Habt ihr Lust auf mehr Einschätzungen dieser Art? Sehr ihr manche Spieler / Einberufungen anders? Gerne liken oder kommentieren und es kommt ggf. ein zweiter Teil. Der Spielerpool gibt es jedenfalls her.